Alltagskultur und Arbeiterleben: Freizeit – Kultur – Sport

Großstadtleben

In den 20er Jahren galt die Großstadt nicht zuletzt als Symbol der Moderne. An erster Stelle dachte man dabei an die Hauptstadt Berlin. Besonders gaben die Berliner Nächte die Folie ab, auf der sich die Vorstellung, was Eigenschaften und Leidenschaften seien, entwickeln konnte. „Technologische Maßstäbe prägten das gesamte Gesellschaftsleben, vermittelten die Kommunikation. Das Tagleben verlängerte sich immer tiefer in die Nacht hinein, Kabarett und Variete, Cafe und Lunapark bildeten die Ausgleichsorte und Zerstreuungsinstitutionen, die den Verlust von Naturnähe aufwiegen, die dem konzentrierten Berufsalltag Ab­spannung und Erholung gegenüberstellen sollten.“ (Boberg u.a. 1986, S. 32)


Literatur

  • Boberg, J./Fichter, T./Gillen, E. (Hg.), Die Metropole, Industriekultur in Berlin im 20. Jahrhundert, München 1986
  • Korff, Gottfried, Berliner Nächte: Zum Selbstbild urbaner Eigenschaften und Leidenschaften, in: Brunn, Gerhard/Reulecke,Jürgen (Hg.), Berlin. Blicke
    auf die deutscheMetropole, Essen 1989. Darin auch weitere wichtige Aufsätze und Literaturhinweise zum Thema.

Neue Tanzvergnügen

„Man tanzt Foxtrott, Shimmy, Tango, den altertümlichen Walzer und den schicken Veitstanz. Man tanzt Hunger und Hysterie, Angst und Gier, Panik und Entsetzen…. Man imitiert Indianer, Kongoneger, Südseeinsulaner und gemarterte Pantomime eingekerkerter Tiere im Zoologischen Garten. Ein geschlagenes, verarmtes, demoralisiertes Volk sucht Vergessen im Tanz.“ (Mann 1981, S. 143)

Nach dem Ersten Weltkrieg griff ein Tanzfieber um sich, wie es vorher nicht annähernd vorhanden war. Viele Menschen versuchten auf diese Weise die grauen Kriegsjahre zu verdrängen. Vielfach war vom Lebensdrang und Lebenshunger die Rede. Neben Walzer und Polka wurden neue amerikanische Modetänze wie Foxtrott, Schieber, Shimmy, Charleston und Blackbottom ge­tanzt. Immer mehr Tanzschulen boten neben den traditionellen auch die neuen Tänze an.

Die „Berliner Illustrierte“ vom 3. Januar 1926 berichtet, „ daß der Charleston von den im Spätsommer des vergangenen Jahres in Mode gekommenen Tänzen weiterhin an der Spitze steht. Weil er zu den Pflichttänzen bei Turnieren gehört, wird ihm eine anhaltende Beliebtheit vorausgesagt. … Der temperamentvolle Tanz mit den raschen Wechselschritten und schlenkernden Beinbewegungen hat den ruhig-sentimentalen Blues abgelöst und wird mit dem Shimmy, dem Mode­tanz von 1920, verglichen.“ (Chronik 1926, Dortmund 1985, S. 25)


Literatur

  • Engel, Walter, Veronika, der Lenz war da. Schlager der Zwanziger Jahre, Hannover 1986
  • Guckel, Sabine, Eine Welt aus Zuckerguß und Schmiedeeisen. Tivoli Variete in der Tivolistraße in: Geschichtswerkstatt Hannover (Hg.), Alltag zwischen Hindenburg und Haarmann, Hamburg 1987  
  • Mann, Klaus, Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht (1949), München 1981

Jugend

In der historischen Forschung geht man von der These aus, daß jugendliche Menschen, vor allem junge Mädchen und Frauen, sich gegenüber dem neuen Massenkulturangebot aufgeschlossen zeigten. Dazu gehörten auch die neuen Tänze. Der Wunschtraum, reich zu werden, gehörte mit zu den Traumschablonen, die vor allen durch die neuen amerikanische Filme, sowie die Kolportage-Romane breitenwirksam wurden. Man kann darin eine Individualisierung sozia­ler Utopien erblicken.


Literatur

  • Dinse, R., Das Freizeitleben der Großstadtjugend, 5000 Jungen und Mädchen berichten, Berlin 1932
  • Deutscher Werkbund e.V. u.a. (Hg.), Schock und Schöpfung, Jugendästhetik im 20. Jahrhundert, Darmstadt und Neuwied 1986
  • Peukert, Detlev J.K., „Mit uns zieht die neue Zeit…“, Jugend zwischen Dis­ziplinierung und Revolte, in: Nietschke, August u.a., Jahrhundertwende. Der Aufbruch in die Moderne 1880-1930,2 Bände, Reinbek bei Hamburg 1990
  • Wickham, James,Working-Class Movement and Working-Class Iife:Frankfurt am Main During the Weimarer Republic, in: Social History, vol. 8, 1983, Nr.3.
Alltagskultur und Arbeiterleben

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